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Die Juristin Hannah Maynard vertritt die Anklage am Kriegsverbrechertribunal
in Den Haag gegen Goran Duric, einen ehemaligen
Befehlshaber der jugoslawischen Volksarmee. Ihm wird vorgeworfen,
für die Deportation und Ermordung bosnisch-muslimischer Zivilisten im heutigen serbischen Teil Bosniens, der Republika
Srpska, verantwortlich zu sein.
Als sich ein wichtiger Augenzeuge bei seiner Aussage in Widersprüche
verstrickt, schickt das Gericht eine Delegation nach
Bosnien, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Die Zweifel an der
Glaubwürdigkeit des Zeugen erhärten sich, allem Anschein nach
sagt er nicht die Wahrheit. Kurz darauf findet man seine Leiche. Er
hat sich in seinem Hotelzimmer das Leben genommen.
Hannah gibt den Fall nicht verloren. In der Hoffnung auf neue
Erkenntnisse reist sie zur Beerdigung des Zeugen nach Sarajevo
und trifft dort auf dessen Schwester Mira. Schon bald gewinnt sie
den Eindruck, dass die junge Frau mehr über den Angeklagten zu
sagen hat, als sie zunächst zugeben möchte.
Obwohl Mira Angst hat, sich der Vergangenheit zu stellen und damit ihre ahnungslose Familie zu gefährden, mit der sie sich in
Deutschland ein neues Leben aufgebaut hat, liefert sie schließlich
den entscheidenden Hinweis für Durics Verbrechen und erklärt sich
bereit, ihre Aussage vor dem Tribunal in Den Haag zu wiederholen.
Unmittelbar vor der entscheidenden Verhandlung versuchen Durics
Verteidiger, Miras Zulassung als Zeugin zu verhindern und finden
mit ihrem Anliegen unerwartet Unterstützung von Seiten der Richterschaft. Hannah begreift, dass ihre Gegner nicht nur auf der Anklagebank, sondern auch in den eigenen Reihen zu finden sind.

Integrität auf der einen und die Biegsamkeit der Wahrheit auf
der anderen Seite – das ist das Spannungsfeld des Konfliktes, in dem sich unsere Hauptfigur Hannah bewegt. Das persönliche
Schicksal der Zeugin Mira droht aus dem Blickfeld zu geraten, weil
sich das Tribunal einem willkürlich auferlegten Zeitrahmen unterordnen
muss. Ein Kompromiss, der die Beschleunigung des Verfahren
ermöglicht, scheint für alle Beteiligten eine vernünftige Lösung
zu sein. Außer für Hannah.
Uns haben die Widersprüche einer Frau interessiert, für die die
Pflichterfüllung innerhalb der Institutionen immer oberstes Gebot
war und die nun durch ihre Unnachgiebigkeit zur Außenseiterin
zu werden droht. Die mit dem Umstand konfrontiert wird, dass sich
ein System gegen sie stellt, das sie immer überzeugt und mit Leidenschaft
vertreten hat.
Hans-Christian Schmid
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