Pechvogel Daigo hat seine Stelle als Cellist verloren und kehrt mit seiner Frau zurück in die Heimat im pittoresken Norden Japans. Auf der Suche nach einem neuen Job ent-deckt er die Anzeige eines auf „Abreisen? spezialisierten Unternehmens. Der exzentri-sche Chef, Sasaki, engagiert ihn auf der Stelle. Daigo kann sein Glück kaum fassen, da eröffnet ihm Sasaki die wahre Natur seines Geschäfts: Er soll Verstorbene nach altem Ritual für die Bestattung vorbereiten…
Von wegen Reisebüro! Daigo ist entsetzt, aber seine finanzielle Situation lässt ihm keine Wahl. Nach einigen Startschwierigkeiten beginnt er langsam die ungeahnte Würde zu entdecken, die das Nokan-Zeremoniell dem Abschied verleiht. Die letzte Reise der Auf-gebahrten, das Kleiden, Reinigen und Schminken vor den Augen der trostsuchenden Angehörigen, beginnt ihn zu faszinieren.
Seine Frau Mika hingegen ist alles andere als entzückt, als sie die Wahrheit über seine neue Berufung erfährt – und stellt ihn vor eine schwierige Wahl…

Das Make-up der Toten "Departures" von Yojiro Takita
Basler Zeitung 15.Oktober 2009

Ein Film über das Ritual der letzten Ölung: Yojiro Takitas "Departures" gewann den diesjährigen Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film.

Zwei wortkarge Bestatter, eine geheimnisvolle Zeremonie und am Ende erwachen Tote zum Leben. Ist "Departures" nun die japanische Antwort auf Hollywoods Zombiefilme? Nun, Leichen sehen wir darin zwar zuhauf - doch statt in blutige Bandagen sind diese in chinesische Seide gehüllt. Und anstelle grimmiger Fratzen sehen wir das Lächeln der Seligen.

SALBUNG

Daigo (Masahiro Motoki), ein Nokani - die japanische Bezeichnung für Bestatter -, vermag Tote mit Schminke und Pinsel so schön herzurichten, dass sie förmlich zum Leben erwachen. Doch so würdevoll Daigo die Toten salbt, sie wäscht und ihnen die letzte Ölung verabreicht, der Beruf des Nokani ist verpönt. Die ersten Stimmen werden laut im Dorf, Daigos Frau (Ryoko Hirosue) verlässt ihn aus Ekel vor seiner Arbeit.

Der japanische Film behandelt das Thema des Todes mit grossem Respekt. Die Zeremonien sind von bestechender Schönheit, ruhig und erhaben wirkt das Ritual vor der letzten grossen Reise. Die existenzielle Losung "Wir alle müssen einmal sterben" ist aber bald einmal zu wenig. Damit die Geschichte vorangeht, braucht es Tote.

SCHMIERE

So ist es zuerst die alte Besitzerin des Hallenbads, dann der nette alte Mann von nebenan, der das Zeitliche segnen muss. Und wenn zuletzt plötzlich Daigos verschollener Vater auftaucht - als Leiche wohlgemerkt -, wirkt das bisweilen arg konstruiert. Beissend auch die sentimentale Schmiere, die der Film gelegentlich einsetzt: Daigo spielt Cello vor einem atemberaubenden Bergpanorama, über ihm kreisen Singschwäne in Zeitlupe und die permanent klagenden Geigen streichen auch noch die letzten Kanten glatt. Die Augen, vordem wässrig von den rührenden Bildern des Totenkults, trocknen da ganz schnell wieder.
Mathis Rickli
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